
Ein fester Termin im Groß-Schamer Kirchenjahr war das Kirchweihfest am zweiten Sonntag im September.
Im Laufe der Zeit begingen die Groß-Schamer ihr Fest auf unterschiedliche Art und Weise, der wesentliche Ablauf und das Brauchtum blieben aber gleich. Erst 1973 erschienen die Kirchweihmädchen in der uns bekannten Tracht, die Buben aber weiterhin in Anzug und Hut. Die Groß-Schamer Tracht bestand in jener Zeit aus einem gestickten Hemd, einer schwarzen Weste aus Samt oder Seide und einem bestickten oder bemalten oder auch nur unifarbenen Dreieckstuch. Über den zwei bis drei gestärkten Unterröcken wurde ein geraffter Überrock getragen. Dieser war aus Seide und meist in den Farben rosa, hellblau, hellgrün oder hellgelb; dazu gab es eine schwarze Schürze. 1976 hatten die „Kerweihbuwe“ erstmals das „Leiwl“ an – eine schwarze Weste mit silbernen Knöpfen. Dazu trugen sie eine schwarze Hose und dunkle Schuhe. Ein „Kerweihut“ gehörte aber schon immer dazu. Der Brauch und die Tracht wurden bis Ende der Achtzigerjahre in dieser Art beibehalten.
Das Kirchweihfest selbst wurde monatelang geplant. Die Kirchweihbuben entschieden untereinander, wer „erster“ und wer „zweiter Vortänzer“ sein soll. Meistens meldeten sich Freiwillige – und dies jedes Jahr aufs Neue.
Die zwei Vortänzer, auch Geldherren genannt, waren für die gesamte Organisation verantwortlich. Sie besorgten alles vom Kirchweibaum bis zur Musikkapelle. Ebenfalls zeitig vor dem Fest, formten sich die Kirchweihpaare; die Burschen fragten ein Mädchen ihrer Wahl, ob sie mit ihm zum Kirchweihtanz „ums Fass“ gehen möchte.
Das Kirchweihfest, das hauptsächlich von Samstag bis Montag ablief, folgte stets nach gleichem Ritual. So gehörte es zu der Aufgabe der Mädchen, die Hüte ihrer Partner zu schmücken. Traditionell bestand der Hutschmuck aus Bändern, farblich passend zum Rock des Mädchens, und aus Sträußchen mit selbstgemachten Papierblumen und eingebundenen Spiegeln. Die Sträußchen steckten sie im Hutband fest.
Ebenfalls mit Bändern schmückten die Mädchen auch den Kirchweihstrauß – ein Rosmarinstrauch –, und zwar bei der ersten Vortänzerin freitags vor dem Fest. Auch die Buben hatten ihre Aufgaben. Typisch für die Groß-Schamer Kirchweih war das Fällen eines Baumes als „Kirchweihbaum“ im naheliegenden Wald. Um den Baum pünktlich am Samstagnachmittag mit Pferdewagen durchs Dorf zu fahren und aufzustellen, mussten die Burschen die Kutscher morgens, noch vor Sonnenaufgang, bei deren Arbeit unterstützen. Durch die Mithilfe hatten die Kutscher ihrerseits Zeit, den Jungs beizustehen, den Baum zu fällen und zu transportieren. Die Kirchweihbuben stellten den Baum auf dem Schulhof auf, nachdem sie die Baumkrone mit Bändern geschmückt hatten.
Am Sonntagmorgen trafen sich die Kirchweihpaare in Tracht gekleidet im Kulturhaus. Der Kirchweihzug marschierte mit Musik zuerst zur zweiten dann zur ersten Vortänzerin und holte diese ab. Im Anschluss ging es zur Messe. Nach dem Festgottesdienst wurden der Priester und weitere Honoratioren des Dorfes offiziell zum Fest eingeladen.
Wichtiger Bestandteil der Feier war das Essen und Trinken: So wurden die Kirchweipaare beim Abholen der Vortänzerinnen, beim Heimbegleiten der Straußgewinnerin usw. stets reichlich bewirtet. Sonntagmittag war es Brauch, dass die Burschen jeweils einen Musikanten zum Essen einluden. Nach dem Mittagessen, gegen 15:00 Uhr, sammelten sich die Paare bei der ersten Vortänzerin. In Reih und Glied ging es dann zum Schulhof, wo das Fest eröffnet wurde. Der Festauftakt umfasste Begrüßung, Gedichte und die Versteigerungen. Hut, Tuch und Schafbock wurden verlost.

Der Kirchweihbaum wurde gegen Bargeld versteigert. Der Strauß wurde unter den Kirchweihpaaren versteigert und der Partnerin des Gewinners geschenkt. Nach dem gemeinsamen Tanz um das „Fass“ wurde die Straußgewinnerin nachhause begleitet. Das Abendessen nahmen die Burschen bei ihren Mädchen ein. Danach kamen alle bei der Straußgewinnerin zusammen. Von dort zogen sie mit Musik in den Festsaal, wo die Tanzunterhaltung bis in die Morgenstunden dauerte.
Montags luden die Jungs die Mädchen zum Mittagessen ein. Nachmittags versammelten sich die Paare wieder bei der Straußgewinnerin und es ging zum Tanz, der sich bis zum Abend hinzog. Anschließend fand das gemeinsame Abendessen – Schafbock-Paprikasch – in der Kantine des Dorfes statt. Dieses Essen organisierte und spendete der Gewinner des Schafbocks. Nach dem Essen kehrten alle in den Festsaal zurück.
Am Kirchweihmontag und an der „Nachkirchweih“ trugen die Kirchweihpaare keine Festtagstracht.
Typisch für die Siebzigerjahre war der „Hausball“, der fast jeden Abend zwischen Kirchweihmontag und Nachkirchweih stattfand. An der Nachkirchweih selbst traf man sich abends bei der Straußgewinnerin, marschierte musikalisch begleitet zum Festsaal und ließ mit Tanz das Kirchweihfest ausklingen.
Dagmar Österreicher und Ewald Rohr