Wie Fronleichnam in Groß-Scham gefeiert wurde
Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feierten die Groß-Schamer, wie alle Katholiken, Fronleichnam.
Es ist das Fest des heiligen Leibes und Blutes Christi. Der Name „Fronleichnam“ stammt aus dem Althochdeutschen, wobei „fron“ für „Herr“ steht und „lichnam“ für „Leib“.
Als Höhepunkt der Feier galt die Prozession. Die Vorbereitungen dafür begannen schon am Mittwochnachmittag: Die Eingangsseite der Nepomukkapelle und der Altar wurden mit Laubwerk und Blumen geschmückt. Weitere drei Kapellen wurden behelfsmäßig aufgebaut. Zunächst stellte man ein Gerüst aus Holz auf und breitete ein weißes Tuch darüber. In dem so entstandenen Innenraum war an der Hinterwand ein Heiligenbild befestigt und davor stand ein Altar mit einem schönen Altartuch bedeckt, mit einem großen Kreuz und einem Kreuzleuchter. Vasen mit üppigem Blumenschmuck waren selbstverständlich. So war es bis 1911.
Nach 1911 wurde an drei Häusern im Ort von den Maurermeistern Fickinger und Scheidnas je eine Kapelle aus festem Material erbaut. Eine davon wurde 1936 abgerissen, die beiden anderen fielen 1962 der Spitzhacke zum Opfer.

Der Festtag begann mit einem feierlichen Gottesdienst. Danach formierte sich der Festzug. Die Spitze bildeten die Kreuz- und Fahnenträger. Ihnen schlossen sich wie folgt an: die Schulkinder, die Jugend, die „Marienmädchen“, der Kirchenchor, die Ministranten, der Priester unter dem Baldachin die Monstranz tragend, die Männer, die Frauen und zuletzt die Musikkapelle.
Hatte die Prozession eine Kapelle erreicht, stellte der Priester die Monstranz auf den Altar, verkündete das Evangelium, nahm die Monstranz wieder in die Hände und segnete die Menschen, ihre Häuser und die Fluren damit. Danach machte sich der Zug auf den Weg zur nächsten Kapelle. Bei Schlechtwetter gab es nur einen kleinen Umzug in der Kirche.
Günter Lenhardt
… und heute gefeiert wird in der neuen Heimat
In Deutschland angekommen, feiern viele Groß-Schamer und deren Nachkommen das Fest weiter; so beispielsweise in Rastatt.
Das Fest wird in Rastatt Jahr für Jahr mit einem schönen Festtagsgottesdienst und einer großen Prozession gefeiert. Die Seelsorgeeinheit, bestehend aus den Gemeinden „St. Alexander“, „Hl. Kreuz“, „Herz Jesu“ und „Zwölf Apostel“, feiert Fronleichnam in der Stadtkirche „St. Alexander“. Mit vielen Ministranten, der Trachtengruppe der Donauschwaben aus Rastatt und den „Banater Schwabenkindern“ als Vertreter des Kreisverbands Rastatt fand der Einzug des Pfarrers in die Stadtkirche statt.

Nach dem Gottesdienst, an dem sich eine Vielzahl von Menschen beteiligten, folgte die Prozession durch die Stadtmitte.
Ein Blumenteppich, welcher von der Malerin Frau Holl und mehreren Kindern der „Jesusbande“ gestaltet wurde, sowie der Altar am Rathaus und der mit außergewöhnlich schönen Blumen bedeckte Brunnen der Fatima galten als zentrale Ereignisse, an die man sich noch lange erinnern wird.
Miriam Österreicher