{"id":89,"date":"2017-07-04T20:04:30","date_gmt":"2017-07-04T18:04:30","guid":{"rendered":"http:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/?page_id=89"},"modified":"2018-11-24T17:12:40","modified_gmt":"2018-11-24T16:12:40","slug":"es-zog-die-schamer-in-die-welt-hinaus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/es-zog-die-schamer-in-die-welt-hinaus\/","title":{"rendered":"Brauchtum"},"content":{"rendered":"<h5>Leben in Gro\u00df-Scham<\/h5>\n<p>Das Gro\u00df-Schamer Dorfleben orientierte sich, wie in allen Banater D\u00f6rfer, am Kirchenjahr und an der Feldarbeit. So feierten die D\u00f6rfler in einer festgelegten Abfolge im Jahreslauf: besondere Kirchenfeste, z.B. Ostern, b\u00e4uerliche Feste, z.B. Erntedank, und direkt oder indirekt Gedenktage der Heiligen, z.B. Namenstage.&nbsp;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/feste-im-kirchenjahr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Feste im Kirchenjahr<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/hochzeitsbrauch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hochzeit<\/a>, Erntedank, Weinlese, <a href=\"http:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/schlacht\/\">Schlacht<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_1329\" aria-describedby=\"caption-attachment-1329\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1329 size-medium\" src=\"http:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Postkarten-300x217.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"217\" srcset=\"https:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Postkarten-300x217.jpg 300w, https:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Postkarten-768x556.jpg 768w, https:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Postkarten.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1329\" class=\"wp-caption-text\">Postkarten vom Fotografen Karl Nagram<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Leben der einzelnen Bewohner lief ebenfalls nach einem bestimmten Ritual ab. Bis ins 20. Jhd. ereigneten sich Geburt und Tod im Kreise der Familie. Die H\u00f6hepunkte eines Familienlebens waren die Taufe, Kommunion, Firmung und Hochzeit. Weniger erfreulich, aber ebenfalls nach einem vorgegebenen Ablauf, vollzog sich das Begr\u00e4bnis.<\/p>\n<h5>Die Gro\u00df-Schamer Mundart<\/h5>\n<p>Die Banater D\u00f6rfer \u00e4hnelten sich in der Brauchtumspflege und Sprache; beim n\u00e4heren Hinsehen gab es aber auch kleine Unterschiede. So beispielsweise in der Mundart. Zwar kamen auch nach Gro\u00df-Scham Kolonisten aus verschiedenen Gegenden, den Schwerpunkt der Sprache bildete eine s\u00fcdwestrheinfr\u00e4nkische Mundart.<\/p>\n<p><strong>Die Gro\u00df-Schamer Mundart &#8211; ein Beispiel<\/strong><br \/>\nVor korzem war a Bericht,<br \/>\nTrappg\u00e4ns fange war die Gschicht.<br \/>\nVum Hase fange war aa die Red,<br \/>\nDes is wirklich a grosses Gfret.<br \/>\nUn da in Grossscham a so etwas war,<br \/>\nMuss ich euch das vrz\u00e4hle klipp un klar.<\/p>\n<p>Als aamol a Jachttach war,<br \/>\nDie Witterung sch\u00f6n hell un klar,<br \/>\nSitze vier Hase ufm Geiseberch,<br \/>\nDer is net weit von der Kerch.<br \/>\nSie spile des Alschosch-Gspiel<br \/>\nNet weit vom Lauritz seiner Miehl.<\/p>\n<p>Jetz kumme die J\u00e4ger angeruckt,<br \/>\nMancher grad, mancher gebuckt.<br \/>\nDer erschti war dr Vetter Jerch,<br \/>\nDer kummt am Grawe bei der Kerch.<br \/>\nDa saat der ani Has: &#8220; Der gsieht net gut,<br \/>\nSpiel mr weiter rot is Adut.&#8220;<\/p>\n<p>In aner Weil kummt dr Gluting Hans<br \/>\nGlei hine no de Kincser Franz.<br \/>\nDo saat d&#8217;anri Has: &#8222;Ach was,<br \/>\nVun dene han mir ke Angscht, die mache Gschpass.&#8220;<\/p>\n<p>Jetz kummt d&#8217;Heinrich Vetter<br \/>\nSucht in de S\u00e4ck un saat Dunnerwetter,<br \/>\nDie Patrone han ich schun wieder d&#8217;ham,<br \/>\nUn kumm do mit vier Hase zamm.<br \/>\nGar gut wisse des die Hase,<br \/>\nDrum mache se ihm a langi Nase.<\/p>\n<p>Jetz kummt d&#8217;Rohr Jani mit seim Wahn<br \/>\nUn fahrt an de Geiseberch tran.<br \/>\nEr war schun in gr\u00f6sster Freid,<br \/>\nWie viel Hase er schiesse wird heit,<br \/>\nUn wie er gsieht die spiele dort,<br \/>\nSaat er, des gibt a vielfache Mord.<\/p>\n<p>Die Hase lache ne awr aus,<br \/>\nDer anri spielt grat d&#8217;Atu raus.<br \/>\nHeit geht wieder mol d&#8217;Andres Kaufmann uf die Jacht.<br \/>\nDo gibts a Schiesserei das alles kracht.<br \/>\nDie Hase saan, des is a J\u00e4gersmann<br \/>\nMit dem mr alles mache kann.<\/p>\n<p>Un als de Kietze aus&#8217;m Dorf raus kummt<br \/>\nUn vor sich etwas brummt,<br \/>\nDo spitze die Hase die Ohre, de kenne se gar gut,<br \/>\nDenn wann der kummt gibts immer Blut.<br \/>\nDer ani will spiele grad Ultimo<br \/>\nDo saat der anri: &#8222;Awer jetz alli mir no.&#8220;<br \/>\nSie renne d&#8217;Berch nunner was se kenne.<br \/>\nDie J\u00e4ger awer tun aner de anre verschene.<br \/>\nIm Tal am End vom Geissberch<br \/>\nKumme se alli zamm mit dem Vetter Jerch.<br \/>\nDort steht awer aa d&#8216; Kempfer Paul,<br \/>\nIwer de schenne se: &#8222;Ihr wart im arangiere faul.&#8220;<br \/>\n<small>(Diese Zeilen sind ein &#8222;Fundst\u00fcck&#8220; auf einem Blatt Papier &#8211; Leider ist der Autor nicht bekannt.)<\/small><\/p>\n<p><small>Weiterf\u00fchrende Literatur:<br \/>\nPeter Kottler et al. (2013): W\u00f6rterbuch der Banater deutschen Mundarten, Band I (A\u2013C).&nbsp; IKGS Verlag, M\u00fcnchen<\/small><\/p>\n<h5>Der &#8222;Ulaker&#8220; &nbsp;&#8211; das Gro\u00df-Schamer Wahrzeichen<\/h5>\n<p>Zwischen den Banater D\u00f6rfer gab es Rivalit\u00e4ten, bedingt durch Wohlstand und Lebensart. So hatten die Bewohner fast jeden Dorfes einen Beinamen, der ein charakteristisches Merkmal hervorhob.&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_1413\" aria-describedby=\"caption-attachment-1413\" style=\"width: 278px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1413\" src=\"http:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ulaker-407x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"278\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ulaker-407x1024.jpg 407w, https:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ulaker-119x300.jpg 119w, https:\/\/clandata.sytes.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ulaker.jpg 483w\" sizes=\"auto, (max-width: 278px) 85vw, 278px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1413\" class=\"wp-caption-text\">1995 wurde der Ulaker erneut angefertigt. Johann Burghardt, aus Liebling stammend, stellte im Auftrag von G\u00fcnter Kern aus Detta das Wahrzeichen der Gro\u00df-Schamer her. Seither wird der Ulaker zusammen mit den geweihten Fahnen der beiden Gesangsvereine bei jedem Gro\u00df-Schamer Treffen ausgestellt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Gro\u00df-Schamer werden &#8222;Ulaker&#8220; genannt.&nbsp;Ein Spruch dazu lautet: Wer zum Ulaker gebor is, werd nie a Schnappmesser!<br \/>\nEin Ulaker ist ein primitives Klappmesser, das zum Arbeiten in den Weing\u00e4rten und auf dem Feld benutzt wurde. Da es meist selbst gefertigt wurde und von minderer Qualit\u00e4t war, war es eher ein Zeichen der Armut.&nbsp;<br \/>\nDer Ulaker ist ein Wahrzeichen Gro\u00df-Schams geworden; um ihn ranken sich einige Geschichten, so wie die folgende.<\/p>\n<p><strong>D&#8217;r Gro\u00dfschamer Ulaker &#8211; A Gschicht aus Gro\u00df-Scham<br \/>\n<\/strong>Es waar im Gro\u00dfwertzhaus a Wert der hat Martin khast un hat so zwische 140 un 150 Kilo gewo un immer d&#8217;Spitzbu im Pusm khat. D&#8216; Martin hat in Moritzfeld a Kriegskuleger khat un is ne per Baan uffsuche &#8218;gfahr. &nbsp;Wier in Gatei waar, hat&#8217;s angfangt zu Blize un Tunre, er hat zu sich gsaat: &#8222;Pischt in Slappe un Socke, was machscht wann&#8217;s reent?&#8220;<br \/>\nWie&#8217;r in Moritzfeld ankumm is, war alles voll Wasser, bis ins Dorf waare&#8217;s zwo Kilometer. De Wech war mit Kootzigle geplaschtert &#8222;lch wer schun owacht gin&#8220; denkt er. Wie er bei sei&#8217;m Kuleger ankumm is, war er voller Loom un Treck bis iwer die Ohre. Er hat gepitt um a Lawor mit Wasser un a paar Socke. Er wert se zuruckschicke. Wie er sauwer war hanse sich begriest &#8211; glei waar a Liter Wein uf&#8217;m Tisch, un sie han vun de alte Zeite verzehlt. Uf amol zieht de Martin sei Uhr aus&#8217;m Hossesack un saat: &#8222;Ich mu\u00df mit&#8217;m Vieruhrzug hammfahre. Wann mei Stammgescht kumme, mu\u00df ich terham sin.&#8220;<br \/>\nD&#8217;Steffi hat ingschpannt un hat ne uf die Baahn g&#8217;fiert. M&#8217;Martin sei Weib hat die Socke gewescht, der Martin hat a Kischt mache gelosst ene Meter hoch, ene Meter tief und ene Meter broot. Die hat&#8217;er voll Stroh gemacht. In die Mitt hat&#8217;er die Socke nin un hat se per Bahn uf Moritzfeld zum Steffi gschickt.&nbsp;<br \/>\nWie die Kischt ankumm is, is d&#8217;Steffi verscht\u00e4ndicht gin. Er is sofort uf die Bahn un wie er die Mortz-Trumm-Kischt gsien hat, hat er sich gedenkt: Wu is die her? Ich han doch nix b&#8217;schtellt. Er is wieder ham, hat ingspannt un is mit Ross un Waan die Kischt holle gfaar.<br \/>\nDes hat sich im Dorf rumgeret, das er so a grosi Kischt gried hatt. Wie er ham kum is, war der Hof voller neigiriche Leit, klei is die Kischt ufgemacht gin: Stroh, Stroh un noch mol Stroh! Die neigiriche han schun angfangt zu khiggle&#8216; un uf amol kumme die Socke zum Vorschein. Au, au Gro\u00df-Schamer des bleiwe mir eng net schuldich! Weil so viel Leit zam waare han se klei Root gsucht was too zu mache is. Uf amol hebt d&#8217;Sepp die Hand un saat: &#8222;Du Pheder, geh zur Kegelbahn un holl d&#8217;Poppe, du Jakob bringscht a Sens un du Matz bringscht a Schragelskett. D&#8217;Poppe is mit dr Sens zamgeniet gin, die Kett draangemacht &nbsp;gin un fertich waar d&#8217;Ulaker. Des Stroh is in die Kischt ghumm, d&#8217;Ulaker in die Mitt un des ganzi is per Bahn uf Scham gschickt gin.<br \/>\nD&#8217;Martin is verst\u00e4ndicht gin, dass er a Kischt uf der Bahn hat. Er hat sich a Waan gelehnt un is uf die Baahn gfaahr, hat die Kischt abkholl hat se ins Wertshaus geprung &nbsp;un hat gewahrt bis die Stammgescht alli kumm sin, dass se se ufmache. Wie se alli beisamm waare, hat er se ufgemacht un derbei die Herkunft vun der Kischt verzeehlt. Do war die Neigier jedem ins Gsicht gschrieb. Wie se endlich uf war, han se g&#8217;schaut: Stroh, Stroh un wieder Stroh. Alli han angfangt zu lache. Uf amol gsiet aner a Kett, zieht dran un d&#8217;Ulaker kummt zum vorschein. Alli ware sprachlos, wie se des Ding gsiehn han. Wie se mol zu sich khumm sin vum Schock, han se sich a Weil angschaut, dann saat d&#8217;Franz: &#8222;Wann der alli inverstan&#8216; seid, h\u00e4nge mer d&#8217;Ulaker uf die Gass ower die Eingangstier, dass die Leit alli gsiehn, was die Moritzfelder uns gschickt han. Mir misse uns ach etwas infalle losse. Des terfe mer deni Moritzfelder net schuldich bleiwe.<br \/>\n<em>Harald Wingert<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leben in Gro\u00df-Scham Das Gro\u00df-Schamer Dorfleben orientierte sich, wie in allen Banater D\u00f6rfer, am Kirchenjahr und an der Feldarbeit. So feierten die D\u00f6rfler in einer festgelegten Abfolge im Jahreslauf: besondere Kirchenfeste, z.B. Ostern, b\u00e4uerliche Feste, z.B. Erntedank, und direkt oder indirekt Gedenktage der Heiligen, z.B. 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